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Weißes Rauschen – und wie Du es kreativ im Sound Design einsetzt

Kopfhörer auf der Erde

Fast jeder Synthesizer hat einen Regler, der weißes Rauschen (engl. „White Noise“) generieren kann. Dieses klingt zunächst einmal relativ unspektakulär und auch nicht sonderlich ästhetisch. Trotzdem lassen sich mit weißem Rauschen viele tolle Sounds erstellen. In diesem Artikel möchte ich Dir erklären, warum das so wichtig ist. Außerdem zeige ich Dir zehn konkrete Geräusche, die sich mithilfe von White Noise nachbilden lassen.

Warum sollte man Geräusche synthetisch erzeugen?

In den meisten Fällen klingt ein real aufgenommenes Geräusch lebendiger als ein synthetisches. Allerdings gibt es immer wieder Situationen, in denen sich das gewünschte Geräusch nicht aufnehmen lässt. Ein Beispiel: Stell Dir vor, Du benötigst ganz dringend Regen, Blitz und Donner für Deine Tonspur. Aber vielleicht spielt das Wetter nicht mit oder Du hast keine Möglichkeit, so kurzfristig Recording-Equipment zu organisieren. Klar könntest Du in Sound-Archiven wie Freesound.org nach entsprechenden Aufnahmen suchen. Doch wer weiß, wie lange das dauert und ob Du etwas Passendes findest…

Deshalb ist es sehr vorteilhaft, wenn man bestimmte Geräusche im Synthesizer emulieren kann.

Was ist weißes Rauschen?

Lass uns zunächst noch schnell klären, was weißes Rauschen überhaupt ist. Unter diesem Begriff versteht man ein Signal, das gleichmäßig aus allen hörbaren Frequenzen besteht. Wissenschaftlich gesehen spricht man von einem konstanten Leistungsdichtespektrum in einem bestimmten Frequenzbereich. Subjektiv empfinden wir ein solches Signal trotz der gleichmäßigen Verteilung, als hätte es einen sehr großen Höhenanteil.

10 tolle Sounds aus weißem Rauschen

Ich möchte Dir nun eine kleine Liste geben, die zeigt, welche Geräusche man aus weißem Rauschen erzeugen kann. Let’s go!

Regen

Der Klang des vom Himmel herabfallenden Wassers hat etwas Beruhigendes. Zudem ist das Geräusch relativ leicht nachzubilden: Du nimmst als Basis ein weißes Rauschen und setzt einen starken LowCut- sowie einen leichten HighCut-Filter ein. Am besten benutzt Du nur wenig Resonanz. Ein kleiner Tipp noch: Durch das Automatisieren der Cutoff-Frequenz kannst Du die Stärke des Niederschlags variieren. Dadurch klingt das Geräusch realistischer, weil es nicht konstant die gleiche Intensität hat.

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Regen-Sample kostenlos bei Freesound.org downloaden

Donner

Zum Regen gibt es natürlich auch das passende Gewitter, das Du aus weißem Rauschen erzeugen kannst. Für einen Donner-Sound stellst Du eine dunkle Klangfarbe ein. (Manche Synthesizer haben hierfür einen „Color“-Regler in der White-Noise-Sektion.) Ein LFO kann dann die Klangfarbe modulieren, um so mehr Abwechslung im Klang zu bewirken. Mit einem extremen HighCut sorgst Du dafür, dass nur das tieffrequente Gerumpel zu hören ist. Delay und Reverb vergrößern den Sound, während ein Distortion-Effekt das Ganze böse und kratzig klingen lässt.

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Donner-Sample bei Audiojungle downloaden

Blitz

Auch wenn Blitze eigentlich keine Geräusche machen, assoziieren wir doch einen ganz bestimmten Klang mit ihnen. Dieses Zischen lässt sich einfach mit einem weißen Rauschen erzeugen. Stelle eine impulsartige ADSR-Kurve ein (kurzer Decay, kein Sustain). Außerdem musst Du die Klangfarbe von hoch nach tief „wandern“ lassen.

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Blitz-Sample kostenlos bei Freesound.org downloaden

Wind

Und wo wir gerade bei Wettergeräuschen sind: Auch Wind lässt sich natürlich auf Basis von weißem Rauschen am Synthesizer emulieren. Setze hierfür einen HighCut mit starker Resonanz ein, die ein Pfeifen bewirkt. Wenn Du jetzt noch die Cutoff-Frequenz automatisierst, sorgst Du für die nötige Abwechslung im Klang.

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Wellen

Lass uns mal weggehen vom schlechten Wetter und ans Meer fahren! Um das Geräusch von Meeresrauschen nachzubilden, musst Du einen starken LowCut verwenden. Mit einem High-Shelf-Filter dämpfst Du den oberen Frequenzbereich, während Du mit einem Tremolo das Auf und Ab der Wellen regulieren kannst. Delay und Reverb lassen den Sound voluminöser klingen.

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Wellen-Sample bei Audiojungle downloaden

Spray

Dies ist eines meiner Lieblings-Gimmicks, wenn es darum geht, weißes Rauschen kreativ einzusetzen! 🙂 Der Spray-Sound ist schnell erzeugt. Du benutzt einen sehr starken Highpass-Filter mit ein wenig Resonanz, um radikal die anderen Frequenzen herauszunehmen. Außerdem ist es wichtig, dass Du die ADSR-Hüllkurve so einstellst, dass der Sound die entsprechende Länge bekommt.

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Spray-Sample bei Audiojungle downloaden

Sweep

Dies ist der Klassiker, der in keiner elektronischen Musikproduktion fehlen darf! Bei einem Sweep kannst Du ruhig eine hohe Resonanz einstellen, um einen Pfeifton zu kreieren. Des Weiteren stellst Du ein, dass die Cutoff-Frequenz des Lowpass-Filters von unten nach oben fährt. Zusätzlich kannst Du auch einen Highpass-Filter einsetzen, den Du ebenfalls automatisierst. Das war’s auch schon!

Zapping

Kennst Du dieses typische Geräusch, das wir mit dem Ein- und Ausschalten von elektronischen Geräten sowie dem Umschalten von Fernsehprogrammen verbinden? Diesen „Zap“-Sound erstellst Du, indem Du zunächst einen kurzen Decay wählst. Der Cutoff mit starker Resonanz wird durch eine weitere Hüllkurve moduliert.

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Zapping-Sample bei Audiojungle downloaden

Ambience

Unter diesem Begriff versteht man das Hintergrundrauschen einer Szene, das eine Aufnahme erst natürlich klingen lässt. Um dies mit weißem Rauschen zu erstellen, musst Du alles außer dem MidBass-Bereich herausfiltern. Dann verwendest Du einen Faltungshall, um den gewünschten Raum (beispielsweise einen Tunnel) nachzubilden.

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Ambience-Sample bei Audiojungle downloaden

Helikopter

Der letzte Sound, den ich Dir zeigen möchte, ist der eines Hubschraubers. Dafür setzt Du einfach einen schnellen Sinus-LFO auf die Cutoff-Frequenz an.

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Helikopter-Sample bei Audiojungle downloaden

Fazit

Vielleicht klingen die Geräusche an sich nicht immer ganz 100% authentisch. Aber sobald Dein Auge das passende Bild dazu sieht, fragt Dein Verstand nicht mehr danach. Er akzeptiert die Illusion. Glaubst Du nicht? Dann sieh Dir mein YouTube-Video an, in dem ich die Sounds demonstriere:

Alles in allem lässt sich also festhalten: Wenn Du gerade mal nicht die passende Aufnahme zur Hand hast, kannst Du viele Geräusche am Synthesizer auf Basis von weißem Rauschen nachbilden. Dies gehört zur Grundausstattung der Zaubertricks eines Sound Designers… 😉

 

Titelbild by Antonis Spiridakis on Unsplash


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